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Andreas Willers featuring Paul Bley: In the North

Artikel: BTL 026

bildbeschreibung

Besetzung: Andreas Willers el-g, g, Paul Bley p, Yves Robert tb, Horst Nonnenmacher b,

Aufnahmedatum: 16.-17. April 2001
Aufnahmeort: Loft, Köln

Tracks:

Eines der überzeugendsten Talente der gegenwärtigen deutschen Jazzszene, der wendig-vielfältige und sehr kammermusikalisch orientierte Andreas Willers wurde von between the lines bereits mit den von Günter Grass‘ Roman „Die Blechtrommel“ inspirierten „Tin Drum Stories“ (btl 009) vorgestellt. Ohne Orte und Werkstätten, in denen kontinuierliche Arbeit möglich ist, gibt es für einen jungen Künstler keine Zukunft, weshalb btl sofort eine weitere Produktion mit Willers vereinbarte. Diesmal sollte es eine Hommage an Jimmy Giuffre werden. Tatsächlich weist „In the North“ aber von Giuffre’s Auflösung traditioneller Patterns weit in die trostlose Sphäre der Secondhand–Existenzen unserer Zeit. Man vernehme nur die räumliche Weite und wüstenhafte Verlorenheit des Titelstücks oder die tonlos gehauchten Interludes des Posaunisten Yves Robert im subtil dekonstruierten Giuffre-Klassiker „The Train & the River“ – hier scheinen sich Personen zu treffen, deren Erwartungen an die Zukunft aufs Schlimmste eingetroffen sind. Die Kunst ist eben ein Reflex auf ihre Zeit, was in einem geistreich zersplitterten „Motif“ oder im schaurig-schönen „Glaswerk“ sowie in einer geisterbahnhaften und abrupt abbrechenden Kürzestfassung von Giuffre‘s „Gotta Dance“ leicht nachzuvollziehen ist.

Analog zu Giuffre’s legendären schlagzeuglosen Gruppierungen wird auch hier auf drums jeglicher Art verzichtet und mit der Mitwirkung des Pianisten Paul Bley gibt es einen originalen Link zu dem mittlerweile wohl als historisch anzusehenden Trio Giuffre / Bley / Swallow, während der virtuose Willers und Yves Robert im weitesten Sinn an Giuffre’s unwiderstehliche Kooperation mit Jim Hall und Bob Brookmeyer anschließen. Man vernehme nur die noch immer unmittelbar aufblitzende Genialität Bley’s in „Face Two“ oder den dunklen luftgesättigten Sound Yves Robert‘s in Bley’s grandioser Ballade „Carla“ oder die inspirierte Wendigkeit aller beteiligter Protagonisten in „Motion“.

Es sind überwiegend intime, leise Geschichten, die wir hier zu hören bekommen. Aber sie vermitteln uns sicher mehr von unserer Befindlichkeit als so manch auftrumpfendes, anbiederndes Gestampfe der Unterhaltungsindustrie.

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