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François Houle 5: Cryptology

Artikel: BTL 012

bildbeschreibung

Besetzung: Francois Houle cl, b-cl, Peggy Lee violoncello, Tony Wilson g, Brad Turner tr, p, Dylan van der Schyff perc, Sheila McDonald (special guest) v,

Aufnahmedatum: 4. Oktober 2000
Aufnahmeort: Blue Wave Productions, Vancouver, Kanada

Tracks:

Es beginnt wie eine Suche: Die Suche nach einem Impuls, nach einer Leitlinie, der die Musik folgen könnte. "Palinodia I" ein paar Töne, sanft und zögernd wie ein letzter Atemzug vor dem Ansetzen zum großen Gestaltungswillen. Doch der kanadische Klarinettist François Houle und seine vier Musiker betreten in diesem ersten, für die CD "Cryptology" symptomatischen Stück nicht den Pfad der hinlänglichen Improvisationsform von Einschwingung, selbstentrückt hochenergetischer Emphase und einem erschöpften Ausklingen. Vielmehr konzentriert sich die freie Phantasie des Spiels auf die behutsame Hinführung auf die Komposition. Die Übergänge sind bei François Houle fließend, die Grenzen offen, Form und Freiheit sind nicht länger mehr Gegensätze und Terrains, die verteidigt werden müßten.

François Houles Konzept einer kammermusikalischen Improvisationskunst erzählt vom Willen, die Improvisation als Mittel und Weg zur Formgestaltung zu nutzen - nicht zur reinen Selbstexpression. Es ist Musik in andauernder Bewegung; Musik, die bereit ist, ständig ihre Richtung innerhalb des großen Rahmens zu ändern. Titel wie "Asymptote", das vom imaginären Treffen im Unendlichen erzählt, oder "Palindoia I & II" mit ihrer poetologischen Anspielung auf freie, jederzeit zu widerrufenden Wertigkeit, geben einen Hinweis auf François Houles Prinzip, die zurückhaltende Emotionalität seiner Musik mit einem intellektuell durchdachten Konzept abzusichern.

Eleganz, Melancholie, Relflexion. Drei Attribute, denen die Musik dieses außerordentlichen Quintetts in jedem Augenblick gerecht wird. Das ehemals Drängende der freien Musik hat scheint sich selbst zurückgenommen zu haben. François Houle und seine wunderbar aufeinander eingespielten Musiker schöpfen ihre Kraft nicht aus dem Gefühl, sondern aus der Abstraktion des Gefühls, das die Bewegungen des Denkens ergänzt und um eine Dimension erweitert. "Cryptology"erzählt ganz unverschlüsselt von der Klarheit der Empfindung und der Lust des Denkens.

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